Meine ersten Eindrücke von Deutschland

Mein erster Eindruck von Deutschland: sehr viele Menschen aus dem Ausland, besonders aus arabischen Ländern, Zentralasien und dem Nahen Osten. Die überwiegende Mehrheit gehört dem Islam an.

Ich wusste praktisch nichts über diese Kultur und Religion. Frauen tragen einen Hidschab, manche bedecken Gesicht und Hände; nur die Augen sind sichtbar. Oft sehe ich sie mit Taschen bekannter teurer Marken. Meist sind sie gemeinsam mit anderen Frauen unterwegs. Manchmal sieht man eine Frau mit Hidschab bei der Arbeit.

Neben meinem Haus gibt es einen Kiosk, dessen Besitzer aus Afghanistan stammen. Dort arbeiten nur Männer. Im Erdgeschoss meines Hauses ist eine Konditorei; im Schaufenster steht auf Deutsch in großen Buchstaben „ARABISCHE SÜSSIGKEITEN“. Drinnen steht ein großer runder Tisch. Männer mit Bärten sitzen daran und trinken Tee. Ehrlich gesagt habe ich dort nur selten Frauen gesehen. Die meisten Kunden sind Männer.

Ins Schwimmbad kommen Frauen in besonderen Anzügen, die den ganzen Körper bedecken. Einmal sah ich zwei Frauen mit einem Mann; sie waren eine Familie. Von einer Bekannten hörte ich, eine Ukrainerin sei Zweitfrau geworden, obwohl das in Deutschland natürlich verboten ist. Ich hatte nie darüber nachgedacht, wie Frauen dort leben, wo die Scharia gilt, oder unter den Regeln der Taliban.

„Tausend strahlende Sonnen“ ist ein Buch, das ich zufällig gelesen habe. Es umfasst mehrere Generationen, die den Krieg gegen die Sowjets erlebten, und erzählt vom Leben der Frauen im Krieg und unter den erstarkenden Taliban. Davon, wie 14-jährige Mädchen mit deutlich älteren Männern verheiratet werden. Wie ein Mann eine zweite Frau ins Haus bringt und beide gezwungen sind, zusammenzuleben. Das Buch beschreibt den Alltag der Frauen. Man erfährt viel Neues: Mädchen dürfen nicht lernen, Frauen nicht arbeiten, Parks, Sportstätten oder sogar Krankenhäuser besuchen. Männer können Frauen und Kinder ungestraft schlagen. Frauen werden gezwungen, den Hidschab zu tragen, ihren Körper zu verbergen und das Haus nicht ohne Begleitung zu verlassen.
Ich finde solche Bücher wichtig. Sie erweitern den Blick auf die Welt und zeigen den Wert dessen, was man hat.

Leider besteht unser Leben aus mehr Rückschlägen und Problemen als schönen Momenten. Dank dieses Buches sehe ich Frauen, die den Hidschab möglicherweise unter Zwang tragen, heute mit anderen Augen. Ich verstehe sie …