Ich möchte von einer Ukrainerin erzählen, die heute in Dortmund lebt. Wegen des Krieges kam sie im März 2022 mit ihrer Familie – Tochter, Ehemann mit Ausreiseberechtigung und Hund – aus Hostomel bei Butscha in der Region Kyjiw. Ursprünglich stammt sie aus Donezk, das seit 2014 besetzt ist. Ärztin. Mutter. Eine wunderbare Ehefrau. Eine gute Freundin. Und meine Mandantin.
2014
Der erste Umzug führte sie 2014 von Donezk nach Kyjiw. Sie kauften ein Haus und liehen sich das Geld von ihrem Bruder. Für die Möbel nahmen sie einen Bankkredit auf. Sie hatte eine gute Stelle als Leiterin einer Krankenhausabteilung. Ihr Mann war Profisportler.
2022
Im Februar 2022 brannte das Haus nach einem Raketentreffer nieder. Aus Hostomel flüchteten sie durch den Wald. Auf verschlungenen Wegen gelangten sie nach Dortmund. Innerhalb von acht Jahren verlor die Familie zweimal „alles“. Hauptsache, sie leben. Das Haus ist weg, Bankkredit und Schulden sind geblieben.
2024–2025
Seit Mai 2024 kümmerten wir uns um die Entschädigung im Rahmen eines staatlichen Programms. Bereits im Mai 2025 kam die positive Entscheidung: ein Wohnzertifikat über 3.145.000 Hrywnja, mehr als 67.000 Euro. Natürlich deckt es nicht alle Verluste. Deshalb haben wir Klage erhoben und planen außerdem einen Antrag beim internationalen Entschädigungsregister.
Warum schreibe ich darüber? Jeder, der durch den Krieg geschädigt wurde, hat Anspruch auf Entschädigung – sowohl im Rahmen ukrainischer staatlicher als auch internationaler Verfahren. Reparationen sind kein Mythos, sondern Realität.