Über Sprache

„Können Sie auch Russisch sprechen?“

Ich finde keine überzeugenden Gründe dafür, warum Ukrainer in Deutschland untereinander Russisch sprechen.

Ein Mann ruft an und sagt, er verstehe meine Sprache nicht. Er sei aus Odesa, habe eine russische Schule besucht und verstehe nichts.

Eine andere Frau sagt: Ich lerne gerade Deutsch, deshalb fällt es mir schwer, mit Ihnen Ukrainisch zu sprechen.

Noch eine Frau erklärt, sie verstehe die Sprache nicht und ich solle möglichst Russisch sprechen. Sie benötigt eine Geburtsurkunde. Ich sage, bei einem russischen Pass wäre es ein anderes Verfahren. Sie antwortet, sie sei ukrainische Staatsangehörige und habe einen ukrainischen Pass.

Was mich betrifft:
Auch ich besuchte eine russischsprachige Schule, sogar eine russische Klasse. Ukrainisch hatten wir zweimal pro Woche.
Meine Muttersprache ist Ukrainisch. Ich denke auf Ukrainisch und spreche es auch im Alltag. Bei juristischer Fachsprache fällt mir der Wechsel in eine andere Sprache schwer.

Gerade lese ich „Aufstand gegen das Imperium“. Das Buch handelt von Menschen, die unter sowjetischer Herrschaft ukrainische Literatur und Kultur schufen. Selbst in den 1960er-Jahren, als praktisch alles Ukrainische verboten war, schrieben sie, ließen sich inspirieren und kamen ins Gefängnis, weil sie Ukrainer waren und sich dem System nicht unterordneten.

Meine Meinung: Pflegt eure Sprache. Jätet das Unkraut sorgfältig und unermüdlich …